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Vaeterradio
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16.09.2011, 10:13
Beitrag #1
Vaeterradio
Väterradio... Gestern (15.9.) ging es mal nicht um kinderlose Väter, sondern um Männer, die (unschuldig) wegen Vergewaltigung verurteilt wurden sind, wie Horst Arnold, dessen Anwalt lang und ausführlich zu Wort gekommen ist. Ein weiteres Interview gab es mit einem anderem Anwalt, bevor am Schluss kurz über sexuell missbrauchte Jungen berichtet wurde. Der Anwalt von Horst Arnold hat besonders darauf herumgehackt, dass es keine Verletzungen gab und auch keine beschädigten Kleider, das sei das Problem gewesen, und der Grund dafür, dass er die Klägerin von Anfang an als Lügnerin gesehen hatte (das habe er beispielsweise daran erkannt, dass sie keinen HIV-Test danach gemacht hatte) Diese Aussage impliziert, dass eine echte Vergewaltigung nur eine Vergewaltigung ist, wenn sie auch so brutal war, dass sie sichtbare Spuren hinterlässt. Etwas differenzierter und vor allem objektiver war der zweite Anwalt, der zu Wort gekommen ist, ganz und gar nicht aber der Moderator, der es sich erdreistet die Haftstrafe von Horst Arnold mit einer Vergewaltigung gleichzusetzen ("Man kann also sagen, dass Herr Arnold zu 5 Jahren Haft vergewaltigt worden ist"). Für mich als Frau, die genau das irgendwann mal in ihrem Leben erlebt hat, ein gewaltiger Schlag in die Fresse. Der lange Redebeitrag von dem Anwalt und die eindeutige Männer-sind-Opfer-Positionierung des Moderators haben mir mal wieder gezeigt, dass es auf gar keinen Fall empfehlenswert ist, vor Gericht zu gehen, wenn man nicht mit derartigen Anwälten und Fragen konfrontiert werden möchte, die in ersten Linie darauf abzielen, Frauen die eine Vergewaltigung anzeigen, als Lügnerin dastehen zu lassen. Der zweite Anwalt sagte, dass es Frauen heute leichter haben, dass sie ernst genommen werden und die Schuld für Vergewaltigung nicht mehr ihnen selbst in die Schuhe geschoben wird. Das mag stimmen auf der einen Seite, der interviewte erste Anwalt und der Moderator Dietmar Nikolai Webel zeigten mit ihren Aussagen aber genau das Gegenteil. Von einer Psychologin war die Rede, die sich mit diesem Fall auseinandergesetzt hat, warum ist sie nicht zu Wort gekommen? Von einer Statistik war die Rede, wie viele Männer unschuldig wegen Vergewaltigungsvorwürfe​n angeklagt werden, wo bleibt die Statistik von Frauen, die nicht vor Gericht gehen, weil es wie Psycho-Folter anmutet? In meinem Freundeskreis hat etwa jede vierte Frau Erfahrungen von sexuellem Missbrauch gemacht, keine davon hat den Fall angezeigt. Ein gefährliches Thema, an das du dich mal besser hättest nicht heran wagen sollen, dafür hast du leider nicht die ausreichenden journalistischen Kompetenzen und schaffst es viel wenig dich selbst aus der Opferhaltung herauszunehmen...
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16.09.2011, 15:02
Beitrag #2
RE: Vaeterradio
Hallo liebe Sindy

Nun habe ich deinen Artikel mehrfach gelesen und überlegt, was du uns sagen willst.
Denn, das was du sagen willst muss dir sehr Wichtig sein: Nicht umsonst meldet man sich wegen eines Beitrages extra im Forum an.

Es ging doch in diesem Beitrag um UNSCHULDiG wegen Vergewaltigung angezeigter und verurteilte Männer.

Der Mann ist wegen erwiesener Unschuld freigesprochen worden. Erwiesene Unschuld!!!!

Die Tatsache, das es derartiges gibt und es nicht nur zu vernachlässigende Einzelfälle sind sollte schon Thema sein dürfen.

Aber, ich habe den Eindruck, dass dir das Thema nicht passt und du es am liebsten unter den Tisch gekehrt lassen möchtest.

Mache dir aber bitte mal die Mühe auch darüber nachzudenken, welche Auswirkungen die Falschbeschuldigungen auf wirkliche Vergewaltigungsopfer haben.

Wenn, wie in dem Beispiel, eine Frau die Vergewaltigung erfindet, nur um irgendeinen beruflichen Vorteil zu erlangen, dann ist dies ein Schlag in die „Fresse“(wie du es ausdrückst) aller wirklichen Opfer einer derartigen Tat.
Mit der Zunahme der Falschbeschuldigungen wird es für die wirklichen Opfer immer weniger Glaubwürdigkeit geben.

Gerade deshalb gehört das Thema „Falschbeschuldigungen“​ gut beleuchtet!

Du bemängelst die „Männer sind Opfer Positionierung“ des Moderator. Nun, diese konnte ich so nicht erkennen, aber, und das sollte klar sein: Opfer von Falschbeschuldigungen sind nun mal Männer. Und, um die Falschbeschuldigungen ging es ja in dem Beitrag.

Ein wichtiges, nach vielen Fällen nicht nur von bekannten Persönlichkeiten, hochaktuelles Thema, über das sich Nachdenken lohnt,
wo man auch mal die eigene Meinung mit dem bei dir einfachem Schema Frauen Opfer und Männer Täter überdenken sollte.
Wenn Frauen vorsätzlich mit dem Mittel der Falschbeschuldigung arbeiten, dann machen sie sich zu Täterinnen, die beschuldigten Männer sind dann die Opfer.

Aber, so beim Lesen deiner Ausführungen, besonders deines Schlusses, verstärkt sich meine Meinung immer mehr, das du statt das Thema zu diskutieren, eigentlich den Moderator angreifen und treffen willst.

Und warum? Weil dir kritische Themen des Zusammenlebens der Geschlechter nicht passen, wenn sie nicht die Ansicht liebe Frau, böser Mann wiederspiegeln?


Nein, liebe Sindy, gerade dieses Thema war sehr wichtig und wurde umfassend angerissen, ohne ein Geschlecht zu diffamieren oder einseitige Meinungsmache zu betreiben. Meiner Meinung nach hat der Moderator hier gerade seine Kompetenz im Anpacken unbequemer Tatsachen bewiesen. Gefährlich war und ist nicht das Aufgreifen, gefährlich ist einzig das Verschweigen derartiger Themen.

Jeder Mann und jede Frau, vor allem Frauen mit Erfahrungen aus sexuellen übergriffen, sollten das Thema „Falschbeschuldigung“ sehr ernst nehmen.


Den Vergleich eine Fünfjährigen Haftstrafe für einen Unschuldigen (!!!) mit einer Vergewaltigung finde ich keinesfalls abwegig, Fünf Jahre eines Lebens, berufliche Vernichtung und moralische Erniedrigung lebenslang, das ist schwere Gewalt was ihm da angetan wurde.

Liebe Sindy, denk noch mal darüber nach....
auch über deine Kreation des „Kinderlosen Vaters“. Ein Vater ist niemals kinderlos! Dann wäre er kein Vater!

Und, da habe ich gerade mal nachgeschaut, öb im Gästebuch des Väterradios schon Meinungen kundgetan wurden:
http://www.vaeterradio.de/gaeste.php?id=70
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16.09.2011, 16:25
Beitrag #3
RE: Vaeterradio
Was mir am Väterradio immer wieder aufstößt, ist die sehr einseitige Behandlung von geschlechtsspezifischen​ Themen. Das trifft auf die Auseinandersetzung mit Vätern, die ihre Kinder nicht mehr sehen können, genau so zu. (Gern würde ich mal ein Statement einer der Mütter hören, die einem interviewten Vater das Kind vorenthält) Ich bin nicht dafür, die Auseinandersetzung mit diesen Themen nicht führen zu dürfen. Natürlich hat das genau so seine Berechtigung. Aber ich würde doch ganz gern auch noch zumindest eine weibliche Sichtweise dazu hören. Ich kann mir gut vorstellen, dass Männer die zu Unrecht des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, extrem marginalisiert und einsam werden. Und natürlich - ich finde das Scheiße. Aber wie gesagt, hätte ich gern die Psychologin dazu gehört. Wie in dem 2. Interview gesagt wurde, gibt es in der Regel eben nur 2 Menschen, die in so einer Situation anwesend sind und somit steht Aussage gegen Aussage. Das bleibt genauso bestehen, wenn solch ein Urteil wieder revidiert wird. Wer von uns weiß denn schon, ob Kachelmann wirklich schuldig oder nicht schuldig war? Er und Sie. Unschuld ist auch in einem demokratischen Rechtsstaat käuflich. Insofern finde ich die Schwarz-Weiß-Darstellung - die Männer sind die Opfer und die Frauen die Täterinnen - mindestens genauso beknackt, wie verschiedene Aussagen von Alice Schwarzer.
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17.09.2011, 10:01
Beitrag #4
RE: Vaeterradio
... aber ich hätte nichts dagegen, mich dem Thema in einer Diskussionsrunde in der nächste Väterradio-Sendung zu stellen, bevorzugt live. Deutungshoheit als Stichwort
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17.09.2011, 12:49
Beitrag #5
RE: Vaeterradio
"Als Deutungshoheit bezeichnet man den Anspruch, ein Thema wie zum Beispiel ein historisches oder politisches, nur selbst richtig deuten zu können. Mit diesem Anspruch ist der Versuch verbunden, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, berührt alte und neue Medien."
sagt Wikipedia.
Meinst Du also, das nur Du das Thema richtig deuten kannst? Würde ich mir nicht zutrauen. Respekt vor deinem Mut!

Aber frag doch am besten mal beim Väterradio nach, ich weiß leider nicht ob das live
aus einem Studio bei Corax gesendet wird
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27.09.2011, 12:40
Beitrag #6
RE: Vaeterradio
Auch wenn die Sendung nun schon eine Weile her ist, muss ich mich doch auch nochmal aufregen: Ich halte, wie Sindy, die Sendung für einigermaßen undifferenziert.

a. Ich frage mich, wie man eine Sendung über Falschbeschuldigung und Vergewaltigung machen kann, in der nicht eine Frau zu Wort kommt und keine Person mit feministischen Ansätzen…Eine Darstellung von einer so brisanten Thematik innerhalb von immer noch – ja, ich nehme das Wort in den Mund – patriarchalen Strukturen zu wählen, die feministische Inhalte nicht mit transportiert oder sie wenigstens diskutierbar macht (glücklicherweise sind die ganz ganz kurz mal aufgeschienen bei dem zweiten Anwalt, aber auch nur, um sie stante pede zu demontieren), scheint mir verfehlt

b. Zu den Statistiken: Der Moderator führt hier eine Statistik an, die aussagt, wieviel Prozent der Angeklagten verurteilt wurden, um damit eine Antwort auf die Frage zu bringen, wieviel Prozent der Anklagen Falschbeschuldigungen sind. M.E. bringt eine solche Statistik keine besonders erhellenden Erkenntnisse für diese Frage. Abgesehen davon, dass ich Statistiken nicht besonders vertrauenserweckend finde, ist es bei dem Thema Vergewaltigung besonders schwierig, sich auf Statistiken zu verlassen. Wie Sindy schon gesagt hat, bei Vergewaltigungsvorwürfe​n- und vorfällen ist schwer zu beurteilen, was tatsächlich abgelaufen ist. Und wenn wir schon bei Statistiken sind, sollte doch wenigstens mit erwähnt werden: wie hoch ist denn die Anzahl derjenigen Frauen, die eine Vergewaltigung nicht zur Anzeige bringen (aus Angst davor, nicht ernst genommen zu werden, aus Angst vor Re-Traumatisierung, weil die Frauen ja in den Prozessen sehr detailliert wiedergeben müssen, was ihnen wiederfahren ist)?

c. Entgegen deiner (Uwe) und offensichtlich des Moderators Meinung glaube ich nicht daran, dass mittlerweile Frauen eher geglaubt wird und dass die Gerichte auf ihrer Seite stehen. Wieso haben die Slutwalks zu so großen Wellen überall auf der Welt gesorgt und wieso sind Tausende von Frauen in den unterschiedlichsten Städten auf die Straße gegangen? Weil offensichtlich die Äußerung des Polizisten in Toronto („Frauen müssen sich eben auch nicht so anziehen wie Schlampen, dann werden sie auch nicht vergewaltigt“) in eine Kerbe geschlagen hat, in die immer noch zu oft geschlagen wird und die eben den Frauen unterstellt, entweder selbst schuld zu sein oder die den Frauen Unglaubwürdigkeit unterstellt. Das ist ein Punkt, der in den Diskussionen um Vergewaltigungsvorwürfe​ einfach nicht ausgelassen werden kann. Und: Nicht selten führt sexualisierte Belästigung/Vergewaltigung/Stalking dazu, dass die (meistens, nicht immer) Frau sich zurückzieht und der Mann (meistens, nicht immer) sich weiterhin in dem Umfeld bewegen kann.

Was ich gut finde: dass da eine Debatte aufgemacht wurde, die noch lange nicht fertig diskutiert ist. Ich finde es wichtig, einen Rahmen zu finden, in dem all diese Punkte mal diskutierbar gemacht werden.
Und: ich finde es auch wichtig, dass sich zunehmend Männer in die Debatte einschalten und dass die Debatte breiter geführt wird.
Aber Debatte bedeutet eben auch Debatte und nicht einseitige Darstellung. In dieser Sendung ist anhand einer undifferenzierten Darstellung eines Einzelbeispiels leider ein Bild von Frauen rübergekommen, in dem Frauen nichts Besseres zu tun haben, als Männern falsche Vergewaltigungsvorwürfe​ zu machen. Das halte ich nicht für Diskussion sondern für Diffamierung.
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27.09.2011, 12:51
Beitrag #7
RE: Vaeterradio
(17.09.2011 12:49)uwe schrieb:  "Als Deutungshoheit bezeichnet man den Anspruch, ein Thema wie zum Beispiel ein historisches oder politisches, nur selbst richtig deuten zu können. Mit diesem Anspruch ist der Versuch verbunden, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, berührt alte und neue Medien."
sagt Wikipedia.

hallo uwe,
nur damit du mal auf dem neuesten stand bist, worum es - auf das thema bezogen! - dabei geht, schau doch mal hier rein:

http://arranca.org/ausgabe/27/definition...gsdebatten​
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27.09.2011, 15:57
Beitrag #8
RE: Vaeterradio
http://arranca.org/ausgabe/27/definition...n%E2%80%8B​

"Die Seite wurde nicht gefunden. Arran..."


Hallo Judith
Schön, das Du in die Diskussion eingetreten bist.

"Was ich gut finde: dass da eine Debatte aufgemacht wurde, die noch lange nicht fertig diskutiert ist. Ich finde es wichtig, einen Rahmen zu finden, in dem all diese Punkte mal diskutierbar gemacht werden.
Und: ich finde es auch wichtig, dass sich zunehmend Männer in die Debatte einschalten und dass die Debatte breiter geführt wird.
Aber Debatte bedeutet eben auch Debatte und nicht einseitige Darstellung. In dieser Sendung ist anhand einer undifferenzierten Darstellung eines Einzelbeispiels leider ein Bild von Frauen rübergekommen, in dem Frauen nichts Besseres zu tun haben, als Männern falsche Vergewaltigungsvorwürfe​ zu machen. Das halte ich nicht für Diskussion sondern für Diffamierung. !"

Eine Debatte oder Diskussion bedeutet, zumindest meiner Meinung nach, das verschiedene Ansichten gegeneinander gestellt werden.
Nun kenne ich genug Sendungen, Beiträge und Bücher, die sehr einseitig eine "Männer sind Schweine" Ansicht ausarbeiten. Ich will da nicht mal Solana oder Schwarzer intensiver betrachten, da ist leider noch viel mehr.

Nun, ich fühle mich weder als "Schwein" noch als "potentieller Vergewaltiger".

Wen also (auch mal) eine Sendung einen anderen Aspekt zu Wort kommen lässt, dann sehe ich das nicht als Diffamierung, sondern sehr wohl als den von Dir begrüßten Beginn einer Debatte, es wurde der Missbrauch mit dem Missbrauch beleuchtet.

Missbrauch einer Missbrauchsbeschuldigun​g halte ich für ein Verbrechen, an den Beschuldigten und noch viel mehr an den Opfern eines echten Missbrauches.


Sindys Anregung, sich mit dem Sendungsmacher in Verbindung zu setzen um eine Sendung mitzugestalten fand ich ganz toll.

Vielleicht kann Sindy mal über den Stand der Dinge aufklären?
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27.09.2011, 18:41
Beitrag #9
RE: Vaeterradio
(27.09.2011 15:57)uwe schrieb:  http://arranca.org/ausgabe/27/definition...n%E2%80%8B​

"Die Seite wurde nicht gefunden. Arran..."


dieser artikel ist eine differenzierte auseinandersetzung mit mit der frage, wie und warum die sogenannte "definitionsmacht" sinnvoll ausbuchstabiert werden kann.

nen kurzer ausschnitt:
"Der Begriff Definitionsmacht ist nicht auf den Bereich sexualisierte Gewalt beschränkt, sondern wird in allen politischen Kontexten von Linken benutzt. Es geht dabei um die Frage, wer die Macht hat, etwas zu definieren. Die Linke skandalisiert die Definitionsmacht herrschender Eliten, Begriffe festzulegen; umgekehrt wird Definitionsmacht als eine politische Maßnahme für diejenigen eingefordert, die direkt von Unterdrückung betroffen sind. Niemand würde diesbezüglich auf die abstruse Idee kommen, von Definitionsrecht zu sprechen, als würde das irgendeine Instanz garantieren. Wer von einer nötigen Infragestellung der Definitionsmacht von Frauen in der radikalen Linken redet, suggeriert ein ausgeglichenes Machtverhältnis, das nicht vorhanden ist, und blendet damit auch dieselben Verhältnisse aus, die autonome Organisierung von Frauen und deren Widerstand überhaupt notwendig machen.
(...)Bereits bei der Definition dessen, was überhaupt wichtige Fragen sind, beginnt die Definitionsmacht. Die generös angebotene »Diskussion« ist vor diesem Hintergrund keine, sondern schlichter Machtkampf."

den autor_innen gings vor allem darum, dass das thema sexueller gewalt niemals aus dem gesellschaftlichen kontext gelöst werden kann! und das tust du und das tut auch dieser radiobeitrag, wenn darin keine frauen zu wort kommen, statistiken unhinterfragt runtergebetet werden, einzelbeispiele verallgemeinert werden etc.
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27.09.2011, 18:41
Beitrag #10
RE: Vaeterradio
Danke für deine Antwort, Uwe.
Damit es nicht zu Missverständnissen kommt, möchte ich gerne noch etwas ergänzen. Ich habe geschrieben: "Ich finde es wichtig, einen Rahmen zu finden, in dem all diese Punkte mal diskutierbar gemacht werden."
Das finde ich in der Tat. Ich finde allerdings, der in der Sendung gesuchte Weg ist ein absolut inadäquater. Und keiner, der eine Diskussion fördert, die zum Beispiel die noch immer inakzeptable Behandlung von Vergewaltigungsfällen in den Medien kritisch auseinandernehmen würde (siehe Kachelmann, siehe Strauss-Kahn)

Außerdem frage ich mich, warum sofort Alice Schwarzer herangezogen wird, wenn feministische Kritik an einer Sendung geübt wird.
Als gäbe es jenseits von Schwarzer keinen Feminismus....
Schließlich habe ich ein Statement geschrieben, in dem ich mich keinesfalls auf Schwarzer bezogen habe. Und ich habe auch nicht gesagt, dass alle Männer Schweine, geschweige denn Vergewaltiger sind.

Also: es gibt ungefähr eine Milliarde von Feminist_innen, die sehr kluge Sachen sagen und schreiben. Kein Grund, sie alle über einen Schwarzer-Kamm zu scheren. Und auch kein Grund, Sindys und meiner Kritik "Undifferenziertheit der Sendung" damit zu begegnen, dass vielleicht auch andere undifferenziert sind....Eher ein Grund, mal ein bisschen in feministischen Texten zu blättern...(siehe lotte)
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27.09.2011, 22:39
Beitrag #11
RE: Vaeterradio
Der Link zum Arranca-Artikel funktioniert nicht, wenn man den hier reinschreibt... Aber der Artikel ist noch online. Unter http://www.arranca.org 'Definitionsmacht und Vergewaltigungsdebatten​' in die Suchleiste eintippen. Ich kannte den Artikel noch nicht, danke für den Tipp, Lotte
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27.09.2011, 23:19
Beitrag #12
RE: Vaeterradio
Vielleicht hilft es den Machern der Sendung, die hier gebrachten Kritiken mit etwas mehr Abstand vom Thema zu betrachten.

Unsere Gesellschaft und auch der Rest der Welt hat ein enormes Problem mit (sexueller) Gewalt gegen Frauen. Das ganze läuft fast schon systematisch (was nicht heißt, dass jeder Mann = Vergewaltiger). Jede 3. Frau hat negative Erfahrungen durch patriarchale Gewalt und sexuelle Übergriffe machen müssen. Ich habe als Mann keine Angst, Nachts durch den Park zu gehen, kenne aber eine Menge Frauen, denen das anders geht. Kurz: Der Kern der Problematik liegt bei Gewalt gegen Frauen. Und dann gibt es da eine kleine Randerscheinung, dass in einigen wenigen Fällen versucht wird, den Vorwurf der Vergewaltigung zu instrumentalisieren.

Aber, in welchem Verhältnis steht das bitte zueinander? Kann man wirklich eine Sendung machen, in der ausschließlich die Randerscheinung betrachtet wird, ohne auch nur einigermaßen tiefgehend auf das eigentliche Problem einzugehen? Wie hier schon geschrieben wurde: Nein, das geht nicht! Eine alleinige Täterbetrachtung von Frauen ist unter diesen Voraussetzungen eben nicht einfach ein Diskussionsbeitrag, sondern verschweigt mit einer gehörigen Portion Zynismus millionenfaches, strukturelles Leid.

Nach der selben Logik kann ich eine einseitige Sendung über kriminelle Ausländer machen (als Diskussionsbeitrag, musste ja auch mal gesagt werden!), oder darüber, dass ja auch die Juden viel Scheiße bauen. Und mit Recht werde ich hinterher Rassist und Antisemit geschimpft.

So ein Thema KANN man nicht losgelöst betrachten, ohne sich zu Recht einem gewissen Vorwurf auszusetzen.

Einen letzten Gedanken noch: Wenn wir hier von Diskussionsbeitrag reden, was soll hier eigentlich diskutiert werden? Das Leid von Vergewaltigung abwiegen gegen falsche Vorwürfe? Aber die machen ja auch ...? Das stinkt!
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28.09.2011, 16:01
Beitrag #13
RE: Vaeterradio
„...umgekehrt wird Definitionsmacht als eine politische Maßnahme für diejenigen eingefordert, die direkt von Unterdrückung betroffen sind.“

Hallo Lotte,
ich habe die Sendung nicht gehört und möchte mich also nicht auf diese Sendung beziehen, sondern auf Deinen Link zur Definitionsmacht. Ich habe mir die Web-Seite zum "Forum für die linke Neubestimmung" angesehen und nehme darauf Bezug, weil ich aus eigenen Erfahrungen lernen musste. 1986 trat ich aus tiefer Überzeugung der SED bei. Ich tat diesen Schritt zur Genossin nicht aus opportunistischen Gründen, etwa um ein Studium zu bekommen. Meine Eltern waren Sozialisten und ich habe das für mich nie hinterfragt.

Nach dem Studium ging ich in den Schuldienst an eine Polytechnische Oberschule. Hier wurde ich vielleicht erstmalig mit anderen Denkweisen ernsthaft konfrontiert. Die Frage für mich war, wie gehe ich mit den Andersdenkenden um? In einer Parteiversammlung habe ich diesbezüglich mal nachgefragt. Eine Kollegin sagte mir dann auf dem Nachhauseweg, dass die Frage so nicht gestellt werden dürfe, denn die Partei vertritt die Arbeiter- und Bauernmacht, also die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger. Ich habe damals nicht wirklich weiter gedacht, es bot sich in meinem Leben auch keine wirkliche Gelegenheit dafür an. Und wahrscheinlich hätte ich nach der Devise gehandelt: Wer nicht für uns ist, der ist also gegen uns.

Erst 1989 stellte sich die damalige Frage neu. Wer hat die Macht zu sagen was richtig und falsch ist? Dafür haben wir Demokratien mit einem unterschiedlichen Meinungsspekturm. Um eine Annäherung an eine vermeintliche Wahrheit muss gerungen werden. Da ist mir jede Stimme wichtig und vor allem: Wie gehen wir heute mit Andersdenkenden um? Mein damaliges DDR-Weltbild wurde gänzlich in Frage gestellt. Vieles sehe ich heute ganz anders. Ein wichtiges Lernergebnis für mich aus dieser Zeit war, keine Ideologie darf die Macht haben, generös eine Deutungsmacht über alle Zeit zu bekommen. Das wollen aber Ideologien. Die Wahrheit hat viele Gesichter und ist mehrschichtig. Dein Beitrag erinnert mich doch sehr an meine frühere Einstellung - nur leider lassen sich die eigenen Erfahrungen nicht weitergeben. Ich blieb im Schuldienst, wie übrigens viele andere Kolleginnen und Kollegen auch. Wir haben seit 1989 nie ernsthaft über unsere Erfahrungen in der DDR gesprochen. Es wird bis heute tabuisiert. Wir alle haben eine Abneigung gegen Ideologien und Ismen, weil sie über das Leben der vielen Menschen machtvoll regieren wollen. Darum ist mir Dein Beitrag übrigens auch sauer aufgestoßen. Nun habe ich auch Lust auf die angesprochene Sendung bekommen, lässt sich die irgendwie als Podcast finden?

„...umgekehrt wird Definitionsmacht als eine politische Maßnahme für diejenigen eingefordert, die direkt von Unterdrückung betroffen sind.“

Hallo Lotte,
ich habe die Sendung nicht gehört und möchte mich also nicht auf diese Sendung beziehen, sondern auf Deinen Link zur Definitionsmacht. Ich habe mir die Web-Seite zum "Forum für die linke Neubestimmung" angesehen und nehme darauf Bezug, weil ich aus eigenen Erfahrungen lernen musste. 1986 trat ich aus tiefer Überzeugung der SED bei. Ich tat diesen Schritt zur Genossin nicht aus opportunistischen Gründen, etwa um ein Studium zu bekommen. Meine Eltern waren Sozialisten und ich habe das für mich nie hinterfragt.

Nach dem Studium ging ich in den Schuldienst an eine Polytechnische Oberschule. Hier wurde ich vielleicht erstmalig mit anderen Denkweisen ernsthaft konfrontiert. Die Frage für mich war, wie gehe ich mit den Andersdenkenden um? In einer Parteiversammlung habe ich diesbezüglich mal nachgefragt. Eine Kollegin sagte mir dann auf dem Nachhauseweg, dass die Frage so nicht gestellt werden dürfe, denn die Partei vertritt die Arbeiter- und Bauernmacht, also die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger. Ich habe damals nicht wirklich weiter gedacht, es bot sich in meinem Leben auch keine wirkliche Gelegenheit dafür an. Und wahrscheinlich hätte ich nach der Devise gehandelt: Wer nicht für uns ist, der ist also gegen uns.

Erst 1989 stellte sich die damalige Frage neu. Wer hat die Macht zu sagen was richtig und falsch ist? Dafür haben wir Demokratien mit einem unterschiedlichen Meinungsspekturm. Um eine Annäherung an eine vermeintliche Wahrheit muss gerungen werden. Da ist mir jede Stimme wichtig und vor allem: Wie gehen wir heute mit Andersdenkenden um? Mein damaliges DDR-Weltbild wurde gänzlich in Frage gestellt. Vieles sehe ich heute ganz anders. Ein wichtiges Lernergebnis für mich aus dieser Zeit war, keine Ideologie darf die Macht haben, generös eine Deutungsmacht über alle Zeit zu bekommen. Das wollen aber Ideologien. Die Wahrheit hat viele Gesichter und ist mehrschichtig. Dein Beitrag erinnert mich doch sehr an meine frühere Einstellung - nur leider lassen sich die eigenen Erfahrungen nicht weitergeben. Ich blieb im Schuldienst, wie übrigens viele andere Kolleginnen und Kollegen auch. Wir haben seit 1989 nie ernsthaft über unsere Erfahrungen in der DDR gesprochen. Es wird bis heute tabuisiert. Wir alle haben eine Abneigung gegen Ideologien und Ismen, weil sie über das Leben der vielen Menschen machtvoll regieren wollen. Darum ist mir Dein Beitrag übrigens auch sauer aufgestoßen. Nun habe ich auch Lust auf die angesprochene Sendung bekommen, lässt sich die irgendwie als Podcast finden?
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28.09.2011, 16:52
Beitrag #14
RE: Vaeterradio
Hallo Maria,

die Sendung hören kannst du hier

Oder falls es nicht funzt, findest du die Sendung (vom 15.09.2011 auf der Seite von Väterradio: http://www.vaeterradio.de/index.php?id=82
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05.10.2011, 11:11
Beitrag #15
RE: Vaeterradio
"Das ganze läuft fast schon systematisch ....." Der von Dir angesprochene systematische Mechanismus - Mainstream kann man das auch nennen - ist das EIGENTLICHE Problem. Die Jusos in Halle hatten deshalb 2009 einen Antrag an die Juso-Landesdelegiertenkonfer​enz gestellt. Sie fordern die wissenschaftliche Feststellung der Frage der Gewalterfahrung von Frauen und Männern im Verhältnis, weil die Forschungslage in Deutschland diesbezüglich nicht viel hergibt. Hier nachzulesen: http://spdnet.sozi.info/saanh/halle/jush...Gewalt.pdf

Deine genannte Zahl kommt von einer Studie des BMFSFJ aus dem Jahre 2002, welche ja auch in dieser Sendung zitiert wird. Damals war nicht nur diese Zahl umstritten. Wenn man den Fragebogen zur Studie anschaut, dann sieht man, wie Gewalt sehr weitläufig definiert wurde. Schon das Hinterherpfeifen einer Frau wurde in dieser Studie zur Gewalterfahrung.

Die Erfahrungen von Gewalt gegen Männer wurde 2002 nicht wirklich untersucht. Es gab damals drei Studien: Gewalt gegen Frauen mit einer Befragung von 10.000 Frauen, Gewalt gegen Kinder (Mit dem Ergebnis, dass Mütter und Väter gleichermaßen gewalttätig sind) und einer Pilotstudie, Gewalt gegen Männer. Da wurden 100 Männer und 200 Beratungsstellen befragt und man schrieb damals schon im Vorwort, dass diese Studie nur ein Hinweis darauf sein kann, dass es auch Gewalt gegen Männer gibt. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Bro...ty=pdf.pdf

Es gab aber damals schon in Deutschland eine Studie, welche besagte, dass Gewalt von Frauen und Männern gleichermaßen ausgeht, in der Studie Gewalt gegen ältere Menschen, in welcher auch Relationen zur Gewalt gegen jüngere Menschen aufgelistet nach dem Geschlecht hergestellt wurden, hier nachzulesen: http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb94.pdf

Übrigens gibt es noch eine interessante Studie zur Vergewaltigung von 1992, sie wurde ebenfalls vom Kriminologischen Institut Niedersachsen gemacht. Dort gaben 4 Prozent der Frauen an, mit sexualisierter Gewalt Erfahrungen gemacht zu haben. Hier nachzulesen: http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb37.pdf
Ich hab die Statistik aus der Sendung mal weitergerechnet: 444 Anzeigen, 45 Anklagen und 27 Verurteilungen = 6,3 Prozent Verurteilungen bei Vergewaltigung - also bei rund 94 Prozent lässt sich eine Vergewaltigung nicht nachweisen. Es wird in der Sendung nicht gesagt, dass die rund 94 Prozent der Frauen Lügner wären. Beschämend allerdings ist, dass sich nur die Reichen Gegengutachten usw. leisten können.

2011 hat Peter Döge dann endlich eine weitere Studie für die Evangelische Kirche in Deutschland vorgestellt, welche bestätigt, was auch ALLE internationalen Studien immer schon sagten: Es gibt gleichermaßen Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Männer und Frauen. Hier der Link zur Studie: http://www.maennerarbeitekd.de​/Dekade_20...schure.pdf

Nur weil Du nachts keine Angst in einem Park hast, schlussfolgerst Du daraus, dass Gewalt gegen Männer ein Randproblem darstellen würde. Du machst Dich und Deine Erfahrungen zum Mittelpunkt der Welt und legst dann fest, was Randerscheinungen sind.

Übrigens auch Deine Bildersprache zum Verschweigen von millionenfachen, strukturellem Leid passt gar nicht zur Sendung. Du schreibst: Wenn man einen Juden beschreibt, der Scheiße baut, darf man deshalb nicht schlussfolgern, dass, alle Juden "Scheiße" bauen. In besagter Sendung wurde ein Mann beschrieben, der im Wiederaufnahmeverfahren​ einen Freispruch erhalten hat und die Frau mit einem Verfahren wegen Freiheitsberaubung und Falschbeschuldigung rechnen muss. Es wurde aber nicht gesagt, dass alle Frauen deshalb Falschbeschuldigerinnen​ wären oder alle Männer nun Opfer von Falschbeschuldigungen - das magst Du so gehört haben, aber nur weil Du es so hören wolltest. Etwas mehr Distanz täte Dir sicher gut.
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