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Vortrag von Gerhard Scheit: Totale Mobilmachung als Globalisierungskritik
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agantifa
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Vortrag von Gerhard Scheit: Totale Mobilmachung als Globalisierungskritik

Bejahung und Verneinung des Kapitals bei Ernst Jünger und Carl Schmitt

12.12.07, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Was die Avantgardisten unter den Faschisten und Bolschewisten einmal einte, war die Bejahung des Zerstörungspotentials, das in der Industrialisierung lag. Während aber die einen, wie Walter Benjamin schrieb, die „hemmungslose Übertragung der Thesen des l’art pour l’art auf den Krieg“ betrieben, machten die anderen mit dem Staat selber l’art pour l’art – wie um zu kaschieren, daß sie an ihn ihren Kommunismusbegriff längst verloren hatten. Während der Krieg für die Faschisten intensivierter und darum schrecklich schön gewordener Kapitalismus war, schmückten die Bolschewisten den Staat als Sterbezimmer des Kapitalismus aus.
Was aber nun die Nationalsozialisten von diesen Sozialisten und Nationalisten unterschied, läßt sich am besten an Ernst Jünger und Carl Schmitt studieren: die Übertragung der Thesen des l’art pour l’art auf eine Vernichtung, für die selbst der Krieg zum Mittel wird. Das beinhaltet zweierlei: Erstens, daß „eine vorherbestehende, unabänderliche, echte und totale Feindschaft zu dem Gottesurteil eines totalen Krieges führt“ (Schmitt). An den Führer kann nur tätig geglaubt werden – als praktische, täglich vorangetriebene Vernichtung derer, die als totaler Feind gekennzeichnet werden oder mit diesem kooperieren. Der Feind wird erst dadurch total, daß er für immer ein ganz bestimmter, nicht austauschbarer ist: die Feindschaft muß „vorherbestehend“ und „unabänderlich“ sein, egal wie der Feind sich auch verhalten mag: er wird vernichtet. Das ist die Logik des antisemitischen Wahns. Zweitens: „totale Mobilmachung“ (Jünger) als Bereitschaft jedes einzelnen zum Selbstopfer. So war das Dritte Reich kein totaler Staat (wie im Faschismus oder Stalinismus angestrebt), sondern totaler „Unstaat“ (Neumann). Die Vernichtung war das Einheitsstiftende im Chaos der Banden von SS und SA, Staats- und Parteiinstanzen. Alles andere: Rasse, Kopfmessung, Siegfried etc. diente bloß dazu, diese „Gier nach dem Tod“ (Jünger) zu illustrieren.
Solche „Heldentodgeilheit“ (Karl Kraus) heißt jedoch heute, im Zeitalter der zweiten totalen Mobilmachung, die auf Industrialisierung verzichten kann, entweder Djihad oder Verzweiflungstat; der totale Feind entweder großer oder kleiner Teufel.

Gerhard Scheit lebt als freier Autor in Wien. Arbeit u.a. für Konkret und Jungle World, zahlreiche Publikationen zu kulturwissenschaftliche n Themen, zum Holocaust sowie zur Theorie und (Kultur)Geschichte des Antisemitismus. Letzte Buchveröffentlichungen: Jargon der Demokratie. Über den neuen Behemoth.

05.12.2007 12:50
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